Di, 28. Februar 2023, 18:30 Uhr

Evangelische Stadtakademie Bochum Westring 26 a-c, 44787 Bochum

Dr. Maximilian Schell

(Un-)Heilvolle Wut – Kirche, Theologie und aggressive Emotionen
Vortrag und Diskussion

Wutbürger, Wutwinter und Gutmenschen; globale Widerstandsbewegungen und rechtspopulistische Hassrede – wie lässt sich aus Sicht der Theologie über aggressive Emotionen sprechen? Sind, zum Beispiel, Wut-, Hass- und Rachegefühle immer als sozial destruktiv und damit „sündhaft“ zu bewerten? Oder kann in ihnen auch ein tugendhaftes, kritisches Potenzial stecken, das zu unterstützen ist? Diese Fragen betreffen nicht nur die öffentliche und politische, sondern auch die zwischenmenschlich private Sphäre: Angesichts von privaten Konflikten, Missbrauch oder erlebtem Trauma gibt es Geschädigte, die nicht vergeben wollen, Hass spüren, sogar nach Rache verlangen. Können diese Emotionen theologisch und seelsorgerlich gewürdigt werden? Und falls ja: wie verhalten sie sich zum christlichen Versöhnungsethos? Dr. Maximilian Schell formuliert an diesem Abend Ideen einer christlichen Emotionskultur im Raum der Kirchen, die nicht die Augen verschließt vor dem breiten Spektrum menschlicher Gefühle und die damit den Weg bereitet für gesellschaftliche Versöhnungsprozesse.
Dr. Maximilian Schell studierte evangelische Theologie und Psychologie in Bochum. Seine Forschungsexpertisen liegen in den Bereichen der internationalen Friedens- und Versöhnungsforschung, dem interdisziplinären Dialog zwischen Psychologie und Theologie sowie dem Paradigma der Wissenschaftsfreiheit. Für seine Diplomarbeit zur räumlichen Dimension von Versöhnungsprozessen in kirchlichen Gemeinden erhielt Schell 2019 den Ernst-Wolf-Preis der Gesellschaft für Evangelische Theologie Deutschland.
Seine 2021 in Deutschland erschienene Dissertation „Wegbereitung der Versöhnung – Öffentliche Theologie im Kontext gesellschaftlicher Versöhnungsprozesse" geht vor dem Hintergrund des vom Genozid 1994 geprägten Landes Ruanda der Frage nach, welche Impulse von genuin theologischen Versöhnungskonzepten im interdisziplinären Diskurs ausgehen und welche Rolle kirchliche Akteure in Versöhnungsprozessen einnehmen können.
Aktuell forscht er zu Fragen einer theologischen Anthropologie angesichts psychischer Devianzen und Störungen.
Kosten5,- €, erm. 3.00 €
Empfänger von Hartz IV/Bürgergeld und Studenten haben freien Eintritt.
Termine28.02.2023 18:30 - 20:00 Uhr