Sa, 23. Oktober 2021, 09:15 Uhr

Planetarium Bochum, Sternwarte Bochum, Ev. Stadtakademie Bochum

Prof. Dr. Susanne Hüttemeister, Prof. Dr. Traugott Jähnichen, Dr. Andreas Losch, Prof. Dr. Dirk Schulze-Makuch und Dr. Michael Waltemathe

Lebensraum Weltall: Astrobiologie, Planetare Nachhaltigkeit und Theologie
Tagung mit Vortägen, Diskussion und Exkursion (23. & 24. Oktober)

Einige der großen Fragen der Menschheit lauten: Was ist Leben? Sind wir allein im Universum? Welchen Platz haben wir im Universums? Und Gott? Wie viele Universen gibt es? Wohin entwickeln wir uns? Welche ethischen Grundsätze wenden wir auf unsere Entscheidungen zur Nutzung des Weltraums an? Welche Konsequenzen haben die Antworten auf diese Frage für unser Leben, für unseren Glauben, für unsere Wahrnehmung der Welt?
Die Tagung „Lebensraum Weltall“ bietet Raum und Zeit, um zu diesen Fragen Prof. Dr. Schulze-Makuch, Dr. Andreas Losch, Prof. Dr. Susanne Hüttemeister, Prof. Dr. Traugott Jähnichen und Dr. Walthemathe zu hören und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Exkursion zur Sternwarte in Sundern unter Leitung von Thilo Elsner eröffnet Erfahrungen von den Anfängen des Raumfahrtzeitalters bis in die Gegenwart. Zum Abschluss der Tagung beflügelt der Filmklassiker Contacts den Raum der Fantasie, bevor wir am Ende des Tages bloßen Auges in die Finsternis des Alls blicken.
Allen Tagungsteilnehmern wird ein ausführlicher Tagungsablauf zugesandt.
Prof. Dr. Dirk Schulze-Makuch: Auf der Suche nach Erde 2.0 im Universum
Die Erde ist einzigartig in unserem Sonnensystem mit einer globalen Biosphäre, die von ihrer Biomasse überwiegend mikrobiell ist, aber auch viele mehrzellige und sogar intelligente Lebensformen umfasst. Außerhalb unseres Sonnensystems wissen wir inzwischen schon von über 4000 Planeten. Die meisten davon sind Gasriesen, aber wir detektieren immer mehr terrestrische Planeten von der Größe der Erde. Wie viele von diesen terrestrischen Planeten werden habitabel sein und Lebensformen beherbergen, und wie finden wir dies in absehbarer Zeit heraus? Hier gebe ich einen Überblick über den Stand der Forschung mit einer Einschätzung, wie häufig es mikrobielles, mehrzelliges, und intelligentes Leben im Universum geben könnte.
 
Dr. Andreas Losch: Die Bedeutung der Existenz von Außerirdischen für die Theologie
Was steht bei der Entdeckung außerirdischen Lebens für das Christentum auf dem Spiel? Erübrigt sich der christliche Glaube oder könnte er mit diesem Phänomen umgehen? Die Herausforderungen werden anhand der theologischen Kategorien von Schöpfung, Offenbarung und Erlösung behandelt, und das in gewissem Masse auch im Gespräch mit dem Judentum.
 
Prof. Dr. Susanne Hüttemeister: : Ist das Universum lebensfreundlich?
Die alte Frage nach „Leben im Weltall" lässt sich leicht beantworten: Selbstverständlich gibt es Leben im All, denn das sind wir – die Erde ist schließlich ein Teil des Alls. Wie häufig Leben im Universum ist, können wir noch nicht sagen, obwohl wir immerhin wissen, dass fast jeder Stern von Planeten begleitet wird. Aber warum ist unser Universum überhaupt in der Lage, Leben hervorzubringen? Was bedeutet überhaupt „lebensfreundlich"? Und könnte es auch ganz anders sein? Tatsächlich gibt es in der modernen Kosmologie spekulative Ansätze, die eine „Landschaft" möglicher Universen postulieren, von denen nur sehr wenige Leben hervorbringen können. Was könnte eine solche Vorstellung für uns bedeuten?
 
Prof. Dr. Traugott Jähnichen: Wirtschaften im Weltraum – ist Nachhaltigkeit möglich?
In dem Vortrag werden aktuelle ökonomische Initiativen zur kommerziellen Erschließung und Nutzung des Weltraums dargestellt, wobei die absehbaren Umweltschäden im Mittelpunkt stehen. Wenig beachtet, aber mit problematischen Folgen, könnte die "Lichtverschmutzung" in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen. Da wir am Beginn dieser Entwicklungen stehen, kommt es darauf an, jetzt Gegenmaßnahmen zu treffen.
 
Dr. Michael Waltemathe: Wann ist es Sonntag auf dem Mond? Transformationen menschlicher Kultur, Werte und Überzeugungen im Angesicht einer Zukunft im Weltall
Weltraumforschung hat mit der Erweiterung und Transformation von Weltbildern immer schon zu Veränderungen in menschlichen Überzeugungen geführt. Philosophie, Ethik, Religion und Theologie haben sich mit den Ergebnissen und Perspektiven menschlichen Wissens über unseren Platz im Universum im Angesicht naturwissenschaftlicher Erkenntnisse beschäftigt. Die Zukunft der Menschheit im Weltall wird aktuell neben der wissenschaftlichen Forschung durch die Beteiligung privater Akteure zu einem gewichtigen Faktor von Raumfahrt. Die Herausforderungen für eine zukünftige menschliche Gesellschaft auf mehreren Planeten dieses Sonnensystems ist hinsichtlich dieser aktuellen Bestrebungen auch aus theologischer Perspektive bedenkenswert.
Prof. Dr. Dirk Schulze-Makuch ist Professor für Planetarische Habitibilität and Astrobiologie an der Technischen Universität Berlin. Er studierte Geologie an der Justus-Liebig Universität in Gießen und promovierte in Geowissenschaften an der University of Wisconsin-Milwaukee, USA. Danach arbeitete er als Senior Project Hydrogeologist bei Envirogen, Inc. und nahm danach eine Stelle als Assistant Professor an der University of Texas at El Paso an. Während dieser Zeit war er auch Faculty Fellow am NASA Goddard Space Flight Center. Danach ging er als Professor zur Washington State University und schließlich zur Technischen Universität Berlin. Im Jahre 2011 bekam Dirk Schulze-Makuch den Friedrich-Wilhelm Bessel Preis von der Humboldt Stiftung für herausragende Leistungen im Bereich der Theoretischen Biologie. Neben seiner Stelle in Berlin ist er Adjunct Professor an der Washington State University. Seine Forschung liegt im größeren Bereich der planetarischen Habitibilität und Astrobiologie, in dem er 10 Bücher veröffentlichte (das letzte „Das lebendige Universum: Komplexes Leben auf vielen Planeten?") und fast 200 wissenschaftliche Artikel.
 
Dr. Andreas Losch ist ein derzeit mit der Universität von Pretoria assoziierter ev. Theologe, der sich auf das Gespräch mit Naturwissenschaften und Philosophie spezialisiert hat. Seine Dissertation Jenseits der Konflikte“ (Göttingen 2011) wurde mehrfach ausgezeichnet. Er war Managing Editor der Martin Buber Werkausgabe, Koordinator des Projekts Life beyond our planet?“ am Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern und hat an der Theologischen Fakultät der Universität zu einer Ethik der Planetaren Nachhaltigkeit“ geforscht und gelehrt. In dieser Funktion war er aktiver Teilnehmer der Milleniumsweltraumkonferenz der Vereinten Nationen, UNISPACE+50. Losch ist Mitglied des Center of Theological Inquiry (CTI) in Princeton/USA, Mitglied des Councils der European Society for the Study of Science and Theology (ESSSAT) und Kuratoriumsmitglied der Karl Heim Gesellschaft. Er ist zudem Chefredakteur von der Themenseite www.theologie-naturwissenschaft.info.
 
Prof. Dr. Susanne Hüttemeister promovierte in Astronomie am Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn mit einer Arbeit zu "Molecular Clouds in the Galactic Center and Selected External Galaxies" und habilitierte in Bonn im Fach Astronomie mit einer Arbeit über „The Molecular Interstellar Medium in its Galactic Context: Environmental Effects". Seit 2004 ist sie Leiterin des Zeiss Planetariums Bochum. Seit 2007 Professur für Astronomie am Astronomischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Bis 2019 war sie im Vorstand der Astronomischen Gesellschaft, dem Berufsverband der deutschen Astronomen.
 
Prof. Dr. Traugott Jähnichen ist Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.
 
Dr. Michael Waltemathe ist Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Praktische Theologie / Religionspädagogik der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Er studierte Chemie an der Technischen Universität Dortmund, bevor er zum Theologiestudium an die Ruhr-Universität Bochum wechselte. Michael Waltemathe promovierte in Theologie mit einer Dissertation über den Einsatz von Computerspielen im Religionsunterricht. Seine aktuellen Forschungsinteressen liegen im Bereich Naturwissenschaft und Religion, vor allem am Beispiel von Religion und Weltraumforschung.
Kosten
Max. Teilnehmerzahl an der Tagung: 30 (plus Referenten). Eine verbindlicher Anmeldung über die Ev. Stadtakademie Bochum ist erforderlich: office.stadtakademie@kk-ekvw.de; 0234-962904-661. Kosten der Tagung: 30,00; Mitglieder der Ev. Stadtakademie 20,00; Studenten 5,00 Euro.
Der Teilnahmebeitrag beinhaltet eine Verzehrpauschale (5,00 Euro) für die Kaffeepause und das Mittagscatering am Sonntag. Für Studenten sind die Catering-Angebote am Sonntag frei. Das Mittag- und ggf. das Abendessen am Samstag müssen alle Tagungteilnehmer selbst finanzieren.
Alle Fahrten mit dem ÖPNV werden durch die Teilnehmer selbst finanziert. Die Transportkosten der Referenten werden durch den Veranstalter getragen.
Sollte das Planetarium unter Corona-Bedingungen über die 30 Tagungsteilnehmer hinaus höhere Sitzkapazitäten haben, werden dort Karten für die einzelnen Vorträge am Samstag (aber nicht für das Gesamtprogramm) verkauft. Sollten es Corona-Regeln erlauben, kann die Ev. Stadtakademie am Sonntag auch weitere Teilnehmer zulassen.
Kosten der Tagung: 30,00;
Mitglieder der Ev. Stadtakademie 20,00;
Studenten 5,00 Euro.
Die Tagungsgebühren beinhalten die Veranstaltungen am Samstag und Sonntag sowie die Erfrischungen und das Catering am Sonntag (5,00 €). Teilnehmer tragen die Kosten für das Mittagessen im Restaurant Matzen am Samstag und die Fahrt zur Sternwarte Bochum selbst.
Tickets für einzelne Vorträge am Samstag können über das Planetarium Bochum erworben werden.
Termine23.10.2021 9:15 - 18:30 Uhr (Mit Exkursion zur Sternwarte Bochum)
24.10.2021 9:30 - 17:30 Uhr (Mit Exkursion zur Sternwarte Bochum)