Di, 15. Juni 2021, 19:15 Uhr

Evangelische Stadtakademie Bochum Westring 26 c, 44787 Bochum

Prof. Dr. Karim Fereidooni und Prof. Dr. Paul Scheibelhofer und Sarah Vecera

Themanabend: Weiße Privilegien erkennen, rassismuskritisch denken

Weiße Menschen in Deutschland haben das Privileg, sich weder mit ihrem eigenen Weiß-Sein noch mit Rassismus auseinandersetzen zu müssen. Während ihr Weiß-Sein die Norm darstellt, werden Schwarze Menschen und Menschen of color aufgrund ihres Nicht-Weißseins rassifiziert und sind im Alltag struktureller rassistischer Diskriminierung, subtil-verbalen Mikroaggressionen bis hin zu physischer Gewalt ausgesetzt. Gleichzeitig erleben Betroffene häufig, dass ihre Erfahrungen bagatellisiert beziehungsweise nicht anerkannt werden.
Rassismus wird vielfach als bewusster Fehltritt oder „böse Tat“ Anderer externalisiert, dabei sind rassistische Denkstrukturen und Machtverhältnisse in allen Teilen der Gesellschaft und in Institutionen tief verwurzelt.
Der Themenabend in der Stadtakademie möchte nicht nur dazu anregen, kritisch Weiße Privilegien in den Blick zu nehmen, sondern auch über Rassismus (strukturell, institutionell wie individuell) als komplexes Phänomen zu reflektieren.
 
Vortrag: „Rassismus in Schule und Gesellschaft"
Referent: Prof. Dr. Karim Fereidooni
 
In seinem Vortrag mit dem Titel „Rassismus in Schule und Gesellschaft" geht Prof. Dr. Karim Fereidooni auf ausgewählte Ergebnisse seiner Dissertation mit dem Titel „Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen von Referendar*innen und Lehrer*innen ‚mit Migrationshintergrund' ein. Im Fokus des Vortrags steht die folgende Frage: „Warum ist es nach wie vor schwierig über Rassismus(-erfahrungen) in Gesellschaft und Schule zu sprechen?"
 
Kurzimpuls: "Wie können wir über Rassismus und weiße Privilegien in der Kirche sprechen?"
Referentin: Sarah Vecera
 
Auch in der Kirche werden bestehende Machtverhältnisse produziert und reproduziert, sie ist somit kein rassismusfreier Raum.
Sarah Vecera erläutert dazu: „Theologie studiert habe ich ausschließlich bei weißen Menschen, unsere gesamte Kirche wurde von weißen Menschen gegründet, in unserem Gesangbuch stehen Lieder, die rassistisches Gedankengut transportieren, das Wort Mission meiden wir lieber, Hauptamtliche, Ehrenamtliche, Mitglieder…fast alle weiß […]. Wenn wir Rassismus ernsthaft bekämpfen wollen, müssen wir uns unsere Rassismus-kritische Brille aufsetzen.“
 
Kurzimpuls: Gefährlich fremde Männer?
Vergeschlechtlichte Fremdbilder im Kontext von Migration und Flucht
Referent: Ass.-Prof. Dr. Paul Scheibelhofer
 
Das Thema Flucht und Migration ist vielfach von einer Gefahrenperspektive geprägt. Ob Kriminalität, Gewalt oder Fundamentalismus: Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die dominanten Bilder vergeschlechtlicht sind. So sind es vor allem fremde Männer, die als Gefahrenursache ausgemacht werden. Wie in dem Input gezeigt wird, haben solche männlichen Fremdbilder eine lange Tradition in rassistischen Diskursen. Ein Verständnis dieser Geschichte kann helfen, aktuellen Diskursen über gefährlich fremde Männer kritisch zu begegnen.
Prof. Dr. Karim Fereidooni, Jahrgang 1983, studierte Germanistik, Politikwissenschaft, Geschichte, Deutsch als Zweitsprache und Europäische Studien an der Universität Trier und an der Mid Sweden University. Von 2010 bis 2016 war er Lehrer für die Fächer Deutsch, Politik/Wirtschaft und Sozialwissenschaften am St. Ursula Gymnasium Dorsten /NRW und darüber hinaus Lehrbeauftragter an der FH Magdeburg-Stendal, am Zentrum für Lehrer_innenbildungder Universität zu Köln, an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln sowie an der Ruhr-Universität Bochum. Er hat mithilfe eines Stipendiums der Stiftung der Deutschen Wirtschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zu „Diskriminierungs-und Rassismuserfahrungen von Referendar*innen und Lehrer*innen ‚mit Migrationshintergrund‘ im deutschen Schulwesen“ promoviert und ist seit April 2016 Juniorprofessor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Rassismuskritik in pädagogischen Institutionen, Schulforschung und Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft und Diversitätssensible Lehrer*innenbildung. Weitere Informationen auf http://www.sowi.rub.de/sowifd/und">http://www.sowi.rub.de/sowifd/und">http://www.sowi.rub.de/sowifd/und http://www.karim-fereidooni.de/
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Sarah Vecera ist stellvertretende Leiterin der Region Deutschland und Bildungskoordinatorin Globales Lernen bei der Vereinten Evangelischen Mission
(VEM) in Wuppertal. Die Theologin und Religionspädagogin forscht und referiert zu Alltagsrassismus in Gesellschaft und Kirche.
 
Paul Scheibelhofer ist Assistenzprofessor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck. Er befasst sich in Forschung und Lehre mit Kritischer Männlichkeitsforschung, Migrations- und Rassismusforschung sowie emanzipatorischer Pädagogik.
 
Kosten5,- €, erm. 3.00 €
Studenten haben freien Eintritt.
Termine15.06.2021 19:15 - 21:30 Uhr