Mi, 7. Oktober 2026, 19:00 Uhr

Melanchthonkirche, Kleiner Melanchthonsaal, Königsallee 48, 44778 Bochum

Dr. Rudolf Tschirbs und Pfarrer Martin Röttger

FilmForum - Trauer, gesellschaftlich und individuell, Film 2: … Farben: Blau
Filmabende mit Diskussion

Einführung
 
In einem Essay von 1917, „Trauer und Melancholie“, hat der Wiener Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud dem Begriff der Trauer durch eine Kontrastierung mit dem der Melancholie zu Konturen verholfen: „Trauer ist regelmäßig die Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person oder einer an ihre Stelle gerückten Abstraktion wie Vaterland, Freiheit, ein Ideal usw.“ Die Melancholie sei seelisch ausgezeichnet durch eine tief schmerzliche Verstimmung, eine Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, durch den Verlust der Liebesfähigkeit, durch die Hemmung jeder Leistung und die Herabsetzung des Selbstgefühls, „die sich in Selbstvorwürfen und Selbstbeschimpfungen äußert und bis zur wahnhaften Erwartung von Strafe steigert.“ Recht behutsam fährt Freud fort, „daß die Trauer dieselben Züge aufweist, bis auf einen einzigen; die Störung des Selbstgefühls fällt bei ihr weg.“
Bei der Lektüre des Essays mögen wir überrascht feststellen, mit welcher selbstreflexiven Vorsicht Freud ins Zentrum seiner oft als apodiktisch empfundenen Trieb-Theorie einleitete, etwa wenn er nach dem Charakter der Arbeit fragte, welche die Trauer leistet. Die Realitätsprüfung zeige, dass das geliebte Objekt nicht mehr besteht, „und erlässt nun die Aufforderung, alle Libido aus ihren Verknüpfungen mit diesem Objekt abzuziehen.“ Dagegen erhebe sich ein begreifliches Sträuben, das so intensiv sein könne, „daß eine Abwendung von der Realität und eine Festhalten des Objekts durch eine halluzinatorische Wunschpsychose zustande kommt.“ So sei bei der Trauer die Welt arm und leer geworden, bei der Melancholie aber zeige sich „eine außerordentliche Herabsetzung seines Ichgefühls“.
Im „Film als Kunst“, wozu wir die die ausgewählten Werke rechnen, möge uns unsere eigene Zeit-Gebundenheit und die der Filmproduktion in dem Erkenntnistyp vom „Film als Erinnerungsort“ offenbar werden.
 
Programm
Mittwoch, 2. September 2026, 19.00 – 21.30 Uhr
Film: „Das siebente …“
Regie: Ingmar Bergman
Schweden 1957, 96 min.
Mit: Gunnar Björnstrand, Bengt Ekerot, Nils Poppe, Bibi Andersson, Max von Sydow.
 
Mittwoch, 7. Oktober 2026, 19.00-21.30 Uhr
2. Film. „Drei Farben …“
Regie: Krzysztof Kieslowski
Frankreich/Polen 1993, 98 min.
Musik: Zbigniew Preisner
Mit: Juliette Binoche, Benoit Régént, Florence Pernel, Emmanuelle Riva.
 
Mittwoch, 4. November 2026, 19.00-21.30 Uhr
3. Film: „Ghost – … Sam“
Regie: Jerry Zucker
USA 1990, 122 min.
Musik: Maurice Jarre; Schnitt: Walter Murch
Mit: Patrick Swayzee, Demi Moore, Whoopi Goldberg, Tony Goldwyn, Rick Aviles.
 
Mittwoch, 2. Dezember 2026, 19.00-21.30 Uhr
4. Film: „Die Verdammten …“
Regie: Brian de Palma
USA 1989, 109 min.
Musik: Ennio Morricone
Mit: Michael J. Fox, Sean Penn, Thuy Thu Le, John C. Reilly
 
 
 
 
 
2. Film. „Drei ...: Blau“
Regie: Krzysztof Kieslowski
Frankreich/Polen 1993, 98 min.
Musik: Zbigniew Preisner
 
Mit: Juliette Binoche, Benoit Régént, Florence Pernel, Emmanuelle Riva.
 
Das Thema der Trilogie (Blau, Weiß, Rot) ist Freiheit.
Bei einem schweren Verkehrsunfall verliert die überlebende Julie ihre einzige Tochter und ihren Mann. Patrice, einen berühmten Komponisten. Nach einem Suizidversuch tritt Julie in ihre Trauerbewältigung ein. Sie bricht mit ihrem bisherigen Leben, geht nach Paris und vernichtet alte Notationen ihres Mannes. Doch die erwünschte Freiheit stellt sich nicht ein. Erst als sie sich Menschen ihrer Vergangenheit stellt, die Komposition ihres Mannes vollenden lässt, auch dessen verborgene Existenz erkennt, lässt ihr Schmerz nach.
Kosten
Der Eintritt ist frei.
Termine07.10.2026 19:00 - 21:30 Uhr