Mi, 6. Mai 2026, 19:00 Uhr
Melanchthonkirche, Kleiner Melanchthonsaal, Königsallee 48, 44778 Bochum ,
Dr. Rudolf Tschirbs und Martin Röttger
FilmForum Reihe "Die Sehnsucht der Frauen" … Teil 3: Eric Rohmer, "Pauline am …"
Filmabend mit Diskussion
Einführung in die Reihe von vier Filmabenden im FilmForum Was können wir vom Film als Kunst über den ebenso innigen wie unbestimmten Dauerimpuls „Sehnsucht“ in Erfahrung bringen? Bedarf es, um Wesentliches zu ermitteln, eines weiblichen Drehbuchautor, einer Regisseurin? Nun, bei den drei großen Autoren des 19. Jahrhunderts haben wir diese Frage nicht ernsthaft gestellt, sondern haben auf deren Schriftsteller-Qualität vertraut: Gustave Flaubert, Madame Bovary (1857), Leo Tolstoi, Anna Karenina (1877), Theodor Fontane, Effi Briest (1895). Gehen wir bei unseren drei Regisseuren und einer Regisseurin vom künstlerischen Niveau aus, von Lebenserfahrung, von einem lebensgeschichtlichen Impuls, der von einer reflektierten Annäherung an ein Lebensproblem kündet. Überlassen wir es den Künstlern, wie sie sich dem Arkanum nähern, und verstehen wir die vor uns ausgebreitete Seelenlandschaft, die unerfüllten Biographien, die Familien- und Ehe-Konfigurationen als Wunschverhinderer oder Wunscherfüller. Warum haben wir uns nicht für „Sehnsucht und Begierde“ entschieden? Das erste scheint sich in einen nichtpersonalen Zukunftsraum zu verströmen, das zweite wirkt rau in einen Präsensraum hinein: Hic et nunc! Betrachten wir Film als Angebot einer kollektiven Rezeption im Kinosaal, wo wir die Reaktionen des uns umgebenden Publikums wohl verspüren und zu einer imaginären Leidensgemeinschaft zusammenwachsen. Die Dunkelheit, die Projektion, der Ton, die Geräusche, die Dialoge, die Musik künden von der Innenwelt der Protagonistinnen, mit denen wir uns identifizieren mögen. Danach aber haben wir den Vorzug eines gemeinschaftlichen Gesprächs, in dem dann vorläufig der eher diffuse Begriff der Sehnsucht in unseren psychischen Horizont aufgenommen wird: Wir sind Teil des „Films als humanwissenschaftliches Experiment“ (Walter Benjamin) und fühlen uns in der offenen Diskussion als Beschenkte. Wir suggerieren nicht durch die Reihenfolge der Filme eine zielstrebige Entfaltungsgeschichte unseres Themas, auch nicht durch die Abfolge filmhistorischer Epochen. Lassen wir Fremdheit zu, um das Eigene zu erkennen! Teil 3 Film. „Pauline am ...“ Regie: Eric Rohmer Frankreich 1983, 94 min. Mit: Amanda Langlet, Arielle Dombasle, Pascal Gregory, Feódor Akine, Simon de la Brosse, Rosette Eric Rohmers Fähigkeit besteht darin, in seinen dialogbelasteten Filmen, nach Sprichwörtern oder Jahreszeiten konzipiert, die Konstruktivität und Labilität von Gefühlen auszustellen. Das Komödiantische entsteht dann, wenn die Figuren ihre Gefühle verabsolutieren oder sich in Alltäglichkeiten heillos verstricken. Anfangs scheinen die Figuren, in strandnahen bretonischen Häusern in der Nachsaison, in Zuständen der Erwartung, des Begehrens zu verbleiben, bis sich offene und versteckte Konstellationen ergeben. Die 15jährige Pauline steht am Beginn tastender Liebeskarrieren, während der Ethnologe Henri auf zu nichts verpflichtende Abenteuer aus ist. Es geht zu wie in Goethes „Wahlverwandtschaften“, und auch hier geht die Leichtigkeit des Spätsommers in bittere Verwirrungen über. Der berühmte Kameramann Nestor Almendros kadriert klare, einfache Bilder unter silbrigem Licht. | |
| Kosten | Der Eintritt ist frei. |
| Termine | 06.05.2026 19:00 - 21:30 Uhr |
