Mi, 4. Februar 2026, 19:00 Uhr

Melanchthonkirche, Kleiner Melanchthonsaal, Königsallee 48, 44778 Bochum ,

Dr. Rudolf Tschirbs und Martin Röttger

FilmForum Reihe "Die Sehnsucht der Frauen" … Teil 1: Ingmar Bergmann , "Die Sehnsucht der …"
Filmabend mit Diskussion

Einführung in die Reihe von vier Filmabenden im FilmForum
 
Was können wir vom Film als Kunst über den ebenso innigen wie unbestimmten Dauerimpuls „Sehnsucht“ in Erfahrung bringen?
Bedarf es, um Wesentliches zu ermitteln, eines weiblichen Drehbuchautor, einer Regisseurin? Nun, bei den drei großen Autoren des 19. Jahrhunderts haben wir diese Frage nicht ernsthaft gestellt, sondern haben auf deren Schriftsteller-Qualität vertraut: Gustave Flaubert, Madame Bovary (1857), Leo Tolstoi, Anna Karenina (1877), Theodor Fontane, Effi Briest (1895).
Gehen wir bei unseren drei Regisseuren und einer Regisseurin vom künstlerischen Niveau aus, von Lebenserfahrung, von einem lebensgeschichtlichen Impuls, der von einer reflektierten Annäherung an ein Lebensproblem kündet. Überlassen wir es den Künstlern, wie sie sich dem Arkanum nähern, und verstehen wir die vor uns ausgebreitete Seelenlandschaft, die unerfüllten Biographien, die Familien- und Ehe-Konfigurationen als Wunschverhinderer oder Wunscherfüller.
Warum haben wir uns nicht für „Sehnsucht und Begierde“ entschieden? Das erste scheint sich in einen nichtpersonalen Zukunftsraum zu verströmen, das zweite wirkt rau in einen Präsensraum hinein: Hic et nunc!
Betrachten wir Film als Angebot einer kollektiven Rezeption im Kinosaal, wo wir die Reaktionen des uns umgebenden Publikums wohl verspüren und zu einer imaginären Leidensgemeinschaft zusammenwachsen. Die Dunkelheit, die Projektion, der Ton, die Geräusche, die Dialoge, die Musik künden von der Innenwelt der Protagonistinnen, mit denen wir uns identifizieren mögen. Danach aber haben wir den Vorzug eines gemeinschaftlichen Gesprächs, in dem dann vorläufig der eher diffuse Begriff der Sehnsucht in unseren psychischen Horizont aufgenommen wird: Wir sind Teil des „Films als humanwissenschaftliches Experiment“ (Walter Benjamin) und fühlen uns in der offenen Diskussion als Beschenkte.
Wir suggerieren nicht durch die Reihenfolge der Filme eine zielstrebige Entfaltungsgeschichte unseres Themas, auch nicht durch die Abfolge filmhistorischer Epochen. Lassen wir Fremdheit zu, um das Eigene zu erkennen!
 
Teil 1
Film. „Sehnsucht der ...“
Regie: Ingmar Bergman
Schweden 1952, 98 min.
Mit: Anita Björk, Eva Dahlbeck, Maj-Britt Nilsson, Gunnar Björnstrand
 
Vier Schwägerinnen, die in den Ferien dem Besuch ihrer Ehemänner entgegensehen, gestehen einander ihre früheren Erwartungen. In Rückblenden zeigt Bergman das Zusammenleben der Eheleute, die Zuneigung, die Probleme, verdrängte Ängste, Verletzungen, Schuldgefühle, die von den Filmfiguren thematisiert werden. Verliebtheit und tiefe Gefühle scheinen verschwunden, die Ehen scheinen unter dem Gesetz des Verfalls und der nicht realisierten Sehnsüchte zu stehen. Ein Höhepunkt dieses kunstvoll in Schwarz-Weiß gedrehten Films ist die Gefangenschaft der Eheleute Karin und Frederik im steckengebliebenen Fahrstuhl. Sie müssen miteinander reden!
Kosten
Der Eintritt ist frei.
Termine04.02.2026 19:00 - 21:30 Uhr