Di, 13. Januar 2026, 18:30 Uhr

Evangelische Stadtakademie Bochum, Westring 26 c, 44787 Bochum

Prof. Dr. Maria-Sibylla Lotter

Verzeihen und Respekt
Vortrag mit Diskussion

Verzeihen umfasst ein breites Spektrum: vom moralisch begründeten Verzicht auf Groll und Vergeltung bis hin zur versöhnenden Haltung gegenüber dem anderen. Der Vortrag untersucht, unter welchen Bedingungen Akte des Verzeihens mit Selbstachtung und gegenseitigem Respekt kollidieren – und wie asymmetrische Machtverhältnisse diese Dynamik prägen. Dabei steht die provokante Frage im Raum, ob Verzeihen mitunter gerade durch ein Moment der Rache seine egalisierende Kraft gewinnt.
 
 
Maria-Sibylla Lotter hat Philosophie, Religionswissenschaft und Ethnologie in Freiburg, Berlin und an der University of St. Louis (Missouri) studiert. An der TU Berlin promovierte sie mit einer Arbeit über A. N. Whitehead. Es folgten wissenschaftliche Stationen an den Universitäten Heidelberg, Konstanz, Erlangen, St. Gallen und Zürich. Gleichzeitig war sie als Übersetzerin tätig – unter anderem übertrug sie Stanley Cavells Cities of Words ins Deutsche.
Ihre mit einem Stipendium der DFG geförderte Habilitationsschrift zu den transkulturellen Grundlagen der Moral schloss sie 2010 an der Universität Zürich ab. Nach Vertretungsprofessuren in Gießen und Stuttgart wurde sie 2014 auf die Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Ethik und Ästhetik an die Ruhr-Universität Bochum berufen.
In den letzten Jahren befasste sie sich vor allem mit Fragen von Schuld, Verzeihen und Rache (unter anderem als Fellow am ZiF Bielefeld), mit Lüge und Selbsttäuschung, mit dem Verhältnis von Ethik und Ästhetik – insbesondere im Blick auf das Komische, mit den Grundlagen einer lebendigen Streitkultur. Zum Thema Schuld und Verantwortung erschienen die Bücher Schuld, Scham, Verantwortung (2012) sowie Schuld und Respekt (2024) bei Suhrkamp. Ihr nächstes Buch Opfer. Verwundbarkeit als Selbstbild erscheint im März 2026 bei Hanser.
Darüber hinaus schreibt Lotter regelmäßig für überregionale Medien, etwa in ihrer Kolumne in der Rheinischen Post oder Artikeln in der ZEIT und der NZZ, und beteiligt sich auch im Rundfunk an Debatten über Philosophie, Ethik und den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten in Wissenschaft und Politik.
Kosten5,- €, erm. 3.00 €
Alle, die Grundsicherung beziehen oder studieren, haben freien Eintritt.
Termine13.01.2026 18:30 - 20:00 Uhr