Di, 21. Juni 2022, 18:30 Uhr

Evangelische Stadtakademie Bochum Westring 26 c, 44787 Bochum

Prof. em. Dr. Josephus D. M. Platenkamp

Reis - Träger des Lebens: Eine ethnologisch-kritische Studie zum DOCUMENTA-Konzept von lumbung
Vortrag mit Diskussion

Das Konzept lumbung, laut DOCUMENTA "das indonesische Wort für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. Lumbung ist die konkrete Praxis auf dem Weg zur documenta fifteen im Jahr 2022 und danach. Hierbei ist lumbung als eine Art kollektiver Ressourcenfundus zu verstehen, der auf dem Prinzip von Gemeinschaftlichkeit beruht." (https://documenta-fifteen.de/lumbung/) Hierfür haben ruangrupa und das Artistic Team Kollektive, Organisationen und Initiativen eingeladen.
 
In dieser Verwendung ist lumbung ein künstlich geschaffenes und im Kontext der Documenta kreativ genutztes gesellschaftlich-politisches Konzept.
Aber welche sozialen und mythischen Bedeutungen werden dem Reis in verschiedenen Gesellschaften des indonesischen Archipels zugeschrieben? Welche Werte werden im seinem rituellen Austausch zum Ausdruck gebracht? Trotz aller gesellschaftlichen Unterschiede wird der Reis oftmals als Verkörperung von 'beseeltem Leben' schlechthin betrachtet, das in Ritualen Göttern, Ahnen, spirituellen Wesen und Menschen überreicht werden kann. Der Reis ist daher Opfergabe par excellence.
Wie und als was präsentiert sich das Konzept von lumbung in diesem Kontext?
 
 
Jos Platenkamp studierte Sozialanthropologie unter Patrick de Josselin de Jong und Jarich Oosten an der Universität Leiden, Niederlande, und mit Louis Dumont und Daniel de Coppet an der École des Hautes Études, Paris. 1988 promovierte er in Leiden mit seiner Dissertation zur sozialen Struktur, Kosmologie und dem rituellen System der Tobelo Gesellschaft (Nordmolukken, Ost-Indonesien). Er unterrichtete Anthropologie und Indonesien-Studien in Leiden von 1986 bis 1993, als er seine Professur der Sozialanthropologie an der Universität Münster antrat. Er unternahm Feldstudien im Nordosten Schottlands (1976) und auf den nördlichen Molukken (1979, 1980, 1982), den zentralen Molukken (1989) und Laos (1996-2005). Platenkamp publizierte umfänglich zur Anthropologie Südostasiens, Ritualen und Systemen des Austauschs und zu anthropologischen Themen im Kontext westeuropäischer Gesellschaften.
Seit seiner Emeritierung im Jahr 2017 veröffentlicht er regelmäßig zu anthropologischen Themen und nimmt an einem kooperativen Forschungsprojekt zu nationalen Identitäten der Universitäten Bozen/Bolzano und Leiden teil. 2019 gab er zusammen mit Almut Schneider 'Integrating Strangers in Society - Perspectives from Elsewhere' heraus.
Kosten5,- €, erm. 3.00 €
Termine21.06.2022 18:30 - 20:00 Uhr