Di, 1. Februar 2022, 18:30 Uhr

Evangelische Stadtakademie Bochum Westring 26 c, 44787 Bochum

Prof. Dr. Laila Prager

Der verhüllte Teil der Geschichte: Frauen und Erinnerungskultur in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Vortrag mit Diskussion

Laut des Staatsreports (2008) der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) waren Frauen immer “das Rückgrat der Familie und der Sozialstruktur der VAE, und sie sind auch heute noch die treibende Kraft bei der Aufrechterhaltung der Erinnerung und der Vermittlung des islamischen und nationalen Kulturerbes“. Angesichts dieser Worte würde man annehmen, dass Frauen eine zentrale Rolle bei der Repräsentation der nationalen Geschichte und Erinnerungskultur in den VAE innehaben.
 
In den letzten Jahren, hat das Konzept „Kulturerbe“ im Zusammenhang mit dem Bedürfnis, eine „umfassende nationale Geschichte“ zu präsentieren in den VAE immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Aufschwung des nationalen „Kulturerbes“ im allgemeinen gesellschaftlichen Diskurs und die damit einhergehende Identitätspolitik finden ihren Ausdruck unter anderem in der Vielzahl der neu eröffneten oder renovierten Nationalmuseen sowie in der stetig wachsenden Zahl von Kulturfestivals, „Freilichtmuseen“, traditionellen Sportveranstaltungen und in der Kunst. Jedoch findet man in diesen Repräsentationsformen keine deutlich sichtbaren Frauen als zentrale Akteurinnen und Repräsentantinnen der Vergangenheit.
 
Welche Gründe gibt es für diese Darstellung der Frauen zumal durch eine in Mehrheit weiblichen Kulturschaffenden? Der Vortrag betrachtet hierfür die Geschlechter-Ikonographie der VAE, den lokalen Kodex von Ehre-und-Scham sowie die männlichen Vorurteile in der regionalen Historiographie und Erinnerungskultur. Ein Thema, dass angesichts der weltweiten Frauendomination des Kulturbereichs und der trotzdem weiterhin vorherrschenden männlich-dominierten historischen Repräsentationen auch weit über die Golfregion hinaus von Interesse ist.
 
Die Darstellung alternativer – mehr weiblicher - Formen der Visualisierung der Vergangenheit wird den Vortrag abschießen. Können diese alternativen Lesarten und Repräsentationsformen eine ausgeglichenere Konzeptualisierung von kulturhistorischen Dimensionen bewirken, in denen weibliche narrative der Geschichte ein integraler und gleichwertiger Teil der nationalen Erinnerung werden?
 
Laila Prager ist seit 2013 Professorin für Sozial- und Kulturanthropologie am Institut für Ethnologie an der Universität Hamburg. Sie hat als Forscherin bzw. Professorin an der New York University Abu Dhabi, Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Universität Leipzig gearbeitet.
Seit 2002 betreibt sie Feldforschung unter beduinischen Gesellschaften (Jordanien, Syrien), palästinensischen und syrischen Flüchtlingen, den Khaliji der Arabischen Golfmonarchien und der ethnisch-religiösen Gruppe der Alawiten (Deutschland, Frankreich, Türkei, Syrien).
Derzeitig fokussiert sich ihre Forschung auf das Wiederaufleben des Kulturerbe-Diskurses und der kulturelleren Performanzen im Nahen und Mittleren Osten (Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Katar, Syrien, und Jordanien). Darüber hinaus untersucht sie gesellschaftliche Transformationen, die durch medizinisches Wissen (um Genetik, Blutanomalien und Reproduktionstechnik) entstehen bzw. durch Wohlstandskrankheiten (NCDs) hervorgerufen werden (Diabetes, Adipositas, etc.).
Neben ihrer Arbeit als Professorin übernimmt sie vielfältige Beratungstätigkeiten zum Nahen und Mittleren Osten (z.B. Forschungsförderung, Privatwirtschaft, Publikationen nichtwissenschaftlicher Literatur, etc.). Darüber hinaus engagiert sie sich seit 2015 in der Flüchtlingshilfe. Sie baute ein Netzwerk an an Unterstützern, Unterstützerinnen und Freiwilligen auf, organisiert Kinderbetreuung zur Frauenförderung und etablierte und führt regelmäßige Sprachkurse durch.
Kosten5,- €, erm. 3.00 €
Termine01.02.2022 18:30 - 20:00 Uhr